Selbst wohlhabende Menschen konnten sich zu Sowjetzeiten nur selten ein ausländisches Auto wie dieses leisten.
Ausländische Autos waren in der Sowjetunion selten, und selbst wohlhabende Bürger konnten normalerweise nicht einfach eines kaufen. Juri Gagarin befand sich allerdings in einer völlig anderen Position. Als erster Mensch im Weltraum war er zu einer der berühmtesten Persönlichkeiten der Welt geworden.
Gagarin war der erste Mensch, der an Bord eines Raumfahrzeugs die Erde verließ. Nach seiner sicheren Rückkehr von seiner historischen Mission war der Testpilot nicht mehr nur ein Nationalheld—er war eine lebende Legende. Nach seinem Raumflug begab sich Gagarin auf eine Weltreise, die ihn unter anderem zum französischen Unternehmen Matra führte. Das Unternehmen war auf Luftfahrt und Raumfahrt spezialisiert und produzierte daneben auch Automobile.
Im Matra-Showroom fiel Gagarins Blick auf einen ungewöhnlichen, extrem kompakten Sportwagen: den Matra-Bonnet Djet V. Das Design und die technischen Daten weckten sofort das Interesse des Kosmonauten. Nach seiner Rückkehr von der Weltreise wurde Gagarin überraschend in die französische Botschaft eingeladen. Unter dem Applaus von Journalisten und Botschaftsmitarbeitern wurden ihm die Schlüssel genau jenes Coupés überreicht, das in Himmelblau lackiert worden war.
Auf den Straßen wirkte der exotische Auslandswagen fast wie ein Raumschiff, das über Moskau gelandet war. Aus demselben Grund fuhr Gagarin den Matra-Bonnet Djet V nur selten. Nach dem tragischen Tod des Piloten im Jahr 1968 blieb sein „Auto aus dem Weltraumzeitalter“ jahrelang in Swjosdny Gorodok eingelagert. Schließlich wurde das Fahrzeug vom litauischen Sammler Kęstutis Indziulis gekauft. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Matra im Besitz der Witwe des Piloten. Ironischerweise wurde das französische Sportcoupé mit der Nummer „5“ in demselben Jahr eingestellt, in dem Gagarin ums Leben kam.
Die technischen Daten des Autos sind ebenso faszinierend, angefangen beim bemerkenswert niedrigen Gewicht. Das Coupé wog lediglich 660 Kilogramm. Es verfügte über eine innovative Kunststoffkarosserie und eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Mittelmotorbauweise. Eine weitere Besonderheit waren Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Im Innenraum präsentierte sich der Sportwagen dagegen ausgesprochen spartanisch.
Für den Antrieb des französischen Sportwagens sorgte ein 1,1-Liter-Motor aus dem Kleinwagen Renault 8. Mit 70 PS beschleunigte das Triebwerk das leichte Coupé auf beachtliche 172 km/h. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigte der Wagen 13,2 Sekunden—für einen Sportwagen seiner Zeit ein durchaus respektabler Wert.