Ein schrilles Bremsquietschen am frühen Morgen ist oft harmlos, doch anhaltende Geräusche können auf verschlissene oder beschädigte Bremskomponenten hinweisen.
Ein schrilles Quietschen der Bremsen direkt nach dem Verlassen der Einfahrt ist für viele Autofahrer ein bekanntes Phänomen. Oft handelt es sich nur um ein vorübergehendes Geräusch, das nach wenigen Minuten verschwindet. Manchmal kann es jedoch ein frühes Warnzeichen für ein Problem sein, dessen Reparatur deutlich teurer werden könnte als eine routinemäßige Bremsenkontrolle.
Doch wie lässt sich harmloses „morgendliches Bremsenquietschen“ von einem Geräusch unterscheiden, das auf ein ernsthafteres Problem hindeutet?
In vielen Fällen ist das morgendliche Bremsenquietschen schlicht eine Reaktion auf Feuchtigkeit und wechselnde Bedingungen. Feuchtigkeit ist meist der Hauptverursacher.
Über Nacht kann sich Kondenswasser auf den Bremsscheiben bilden. Nach Regen kann noch mehr Feuchtigkeit auf den Bremsflächen vorhanden sein. Vermischt sich das Wasser mit Bremsstaub und winzigen Metallpartikeln, kann sich eine dünne Ablagerung bilden, die bei den ersten Bremsvorgängen ein schrilles Quietschen verursacht.
Sobald sich die Bremsscheiben erwärmen und die Feuchtigkeit verdunstet, verschwindet das Geräusch normalerweise wieder.
Kälte kann das Phänomen noch verstärken. Niedrige Temperaturen können die Eigenschaften des Reibmaterials der Bremsbeläge verändern, es härter machen und dadurch Reibung und Vibrationen erhöhen. Streusalz und andere Taumittel können sich ebenfalls an Bremsscheiben und Bremssätteln ablagern, Oberflächenrost begünstigen und die Bremsgeräusche zu Beginn der Fahrt verstärken.
Eine weitere häufige Ursache ist Bremsstaub. Bremsbeläge und Bremsscheiben erzeugen durch den normalen Verschleiß winzige Partikel. Wenn sich dieses Material ansammelt, insbesondere unter feuchten Bedingungen, kann es zu Geräuschen beitragen. Einige härtere Bremsbelagmischungen neigen ebenfalls eher zum Quietschen, obwohl sie eine gute Haltbarkeit bieten können.
Die Physik hinter dem Geräusch ist relativ einfach. Hochfrequente Schwingungen — häufig oberhalb von 5 kHz — können das typische Quietschen von Scheibenbremsen erzeugen. Auslöser können das Reibmaterial, der Zustand der Bremsscheibe oder ein ungleichmäßiger Kontakt zwischen Belag und Scheibe sein.
Auch die Automobilhersteller arbeiten an neuen Bremstechnologien, insbesondere für Elektrofahrzeuge. Mercedes-Benz entwickelt beispielsweise Bremssysteme, die Korrosion und Bremsstaub reduzieren sollen. In einem Forschungsprojekt wird eine Bremsenkonstruktion untersucht, die den Verschleiß deutlich reduzieren und einen großen Teil des bei herkömmlichen Systemen entstehenden Bremsstaubs vermeiden könnte.
Wenn das Quietschen nach den ersten Minuten der Fahrt verschwindet, besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Wird das Geräusch jedoch dauerhaft, bleibt es auch nach einer längeren Fahrt bei trockenem Wetter bestehen oder verändert es sich zu einem härteren Schleifgeräusch, sollten die Bremsen überprüft werden.
Stark verschlissene Bremsbeläge können ein dauerhaftes metallisches Schleifgeräusch verursachen. Das kann passieren, wenn das Reibmaterial weitgehend oder vollständig abgetragen ist und die Metallträgerplatte des Bremsbelags mit der Bremsscheibe in Kontakt kommt.
Dieses Problem sollte nicht aufgeschoben werden.
Viele Bremsenspezialisten empfehlen, Bremsbeläge zu ersetzen, wenn die Dicke des Reibmaterials auf etwa 4–5 mm gesunken ist. Die absolute Mindeststärke kann je nach Fahrzeug und Bremssystem jedoch bei etwa 2–3 mm liegen. Wer wartet, bis die Beläge vollständig verschlissen sind, riskiert, dass aus einem vergleichsweise einfachen Belagwechsel eine deutlich teurere Reparatur wird, bei der auch die Bremsscheiben betroffen sind.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn das Quietschen von Vibrationen im Bremspedal oder Lenkrad begleitet wird. Dies kann auf ungleichmäßige Bremsscheiben, übermäßige Hitze oder andere Probleme hindeuten, durch die die Bremsbeläge nicht mehr gleichmäßig an den Scheiben anliegen.
Weitere Warnzeichen sind ein deutlich längerer Bremsweg oder ein Fahrzeug, das beim Bremsen zu einer Seite zieht.
Wenn eines dieser Symptome auftritt, sollte die Bremsanlage so schnell wie möglich überprüft werden.
Eine regelmäßige Wartung der Bremsanlage ist eine der besten Möglichkeiten, sowohl Geräusche als auch ernstere Probleme zu vermeiden.
Nach dem Einbau neuer Bremsbeläge gibt es eine Einfahrphase, die häufig als Einbremsen bezeichnet wird. Je nach Bremskomponenten und Herstellerempfehlungen kann es etwa 50–200 km normaler Fahrt dauern, bis Beläge und Bremsscheiben eine gleichmäßige Kontaktfläche aufgebaut haben.
Während dieser Phase sollten unnötig starke Bremsungen möglichst vermieden und die vom Hersteller der Bremsbeläge empfohlene Einfahrprozedur befolgt werden. Ein korrektes Einbremsen sorgt dafür, dass sich das Reibmaterial gleichmäßig an die Bremsscheibe anpasst, und kann das Risiko anhaltender Geräusche reduzieren.
Auch der Zustand des Bremssattels ist wichtig. Verschmutzte oder schwergängige Komponenten des Bremssattels, darunter Führungsbolzen und deren Schutzmanschetten, können Bremsgeräusche verursachen, selbst wenn die Bremsbeläge noch ausreichend Material haben.
Die Reinigung der Komponenten und die Verwendung eines geeigneten Hochtemperatur-Bremsfetts an den dafür vorgesehenen Kontaktstellen können helfen, solche Probleme zu vermeiden. Allerdings dürfen nicht alle Bremskomponenten geschmiert werden. Ein ungeeignetes Produkt kann Schäden verursachen oder ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Eine regelmäßige Kontrolle der Bremsanlage kann solche Probleme erkennen, bevor daraus teure Reparaturen werden.
Die wichtigste Erkenntnis ist einfach: Ein kurzes Quietschen bei den ersten Bremsungen an einem kalten oder feuchten Morgen ist häufig normal. Ein Geräusch, das anhält, lauter wird oder mit Vibrationen, Schleifgeräuschen, einem Ziehen zur Seite oder nachlassender Bremsleistung einhergeht, sollte dagegen umgehend überprüft werden.
Die Bremsen gehören zu den Fahrzeugkomponenten, bei denen ein wenig vorbeugende Wartung viel Geld sparen und möglicherweise ein deutlich ernsteres Problem verhindern kann.