Unsichtbare Falle: Wie gewöhnliches Herbstlaub Autofahrern ernsthafte Probleme bereiten kann
Herbstlaub mag harmlos aussehen, doch auf nasser Fahrbahn kann es für Autofahrer überraschend gefährlich werden.
Der Herbst gehört zu den schönsten Jahreszeiten, doch für Autofahrer sind herabgefallene Blätter mehr als nur eine schöne saisonale Kulisse. Sobald sie die Fahrbahn bedecken, können sie vor allem nach Regen zu einer ernsthaften Gefahr für die Verkehrssicherheit werden.
Wann Laub gefährlicher als Eis sein kann
Ein nasses Blatt auf der Fahrbahn kann wie eine dünne Wasserschicht zwischen Reifen und Asphalt wirken und die Haftung deutlich verringern. Eine am Morgen noch völlig trockene Straße kann nach einem kurzen Regenschauer und einer Schicht aus Herbstlaub plötzlich unerwartet rutschig werden. Das Fahrgefühl kann dabei erstaunlich ähnlich sein wie beim Überfahren einer vereisten Stelle.

Das Problem: Die meisten Autofahrer wissen, dass sie bei Eis vorsichtig sein müssen. Laub wird dagegen nicht sofort als Gefahr wahrgenommen. Ein Laubhaufen am Straßenrand wirkt harmlos. Sobald die Blätter jedoch nass und von vorbeifahrenden Fahrzeugen verdichtet werden, kann die verfügbare Haftung drastisch abnehmen.
Besonders tückisch sind Kurven und Kreuzungen in Wohngebieten, wenn Bäume direkt an der Straße stehen. Das Laub sammelt sich in den Spuren der Reifen, nimmt Wasser auf und wird von den darüberfahrenden Autos zusammengepresst. So entsteht eine glatte, rutschige Oberfläche. Wer eine solche Kurve mit der gewohnten Geschwindigkeit fährt, kann plötzlich ins Rutschen geraten.
Auch eine Notbremsung kann unter diesen Bedingungen unberechenbar werden. Das Antiblockiersystem (ABS) funktioniert weiterhin, doch der Bremsweg auf nassem Laub kann deutlich länger sein als auf trockenem Asphalt—je nach Bedingungen teilweise um 50 bis 100 Prozent.

Nicht nur die Straße ist ein Problem
Herbstlaub gefährdet nicht nur die Sicherheit—es kann auch teure Schäden am Fahrzeug verursachen.
Nasses Laub, das sich in den Wasserabläufen der Karosserie sammelt, kann Feuchtigkeit über Tage oder sogar Wochen festhalten. Mit der Zeit kann dies die Korrosion an Schwellern, Türkanten und Radläufen begünstigen.
Auch Blattflecken auf Motorhaube und Dach sind nicht zwangsläufig nur Schmutz. Beim Zersetzen können organische Bestandteile Verbindungen bilden, die den Lack angreifen und sichtbare Flecken hinterlassen. Steht ein Fahrzeug wochenlang unter Bäumen, werden die Schäden möglicherweise erst viel später sichtbar—etwa durch einen stumpf gewordenen Lack oder erste Anzeichen von Korrosion.
Auch der Kühler und die Lufteinlässe des Fahrzeugs sollten kontrolliert werden. Laub kann den Luftstrom durch den Kühler behindern und dadurch die Kühlung des Motors erschweren. Bei feuchtem Wetter beginnen angesammelte Blätter außerdem zu verrotten und können zusätzliche Probleme verursachen.
Wenn der Motor im Herbst plötzlich heißer als üblich läuft, sollten Sie den Kühler und die umliegenden Lufteinlässe auf Blätter und andere Verschmutzungen kontrollieren.
Auch Sensoren und Kameras können betroffen sein. Ein Blatt auf der Linse der Rückfahrkamera oder auf einem Parksensor ist ein typisches Herbstproblem. Fahrerassistenzsysteme können dann nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren oder Fehlwarnungen ausgeben.
Fahrzeuge mit 360-Grad-Kameras, automatischer Notbremsfunktion und anderen modernen Fahrerassistenzsystemen können besonders empfindlich auf verdeckte oder verschmutzte Sensoren reagieren. Ein einziges Blatt an der falschen Stelle kann aus einem normalen Parkmanöver eine unangenehme Überraschung machen.
Was Autofahrer tun sollten
Die wichtigste Regel ist einfach: Behandeln Sie eine stark mit Laub bedeckte Fahrbahn genauso vorsichtig wie Eis oder Schnee.

Reduzieren Sie vor Kurven die Geschwindigkeit, vergrößern Sie den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und bremsen Sie früher und sanfter. Vermeiden Sie abrupte Spurwechsel, insbesondere auf Fahrbahnabschnitten, die mit Laub bedeckt sind.
Wenn das Fahrzeug zu rutschen beginnt, bleiben Sie ruhig und reißen Sie das Lenkrad nicht herum. Treten Sie auch nicht abrupt auf die Bremse. Fahren Sie stattdessen möglichst ruhig und kontrolliert, nehmen Sie den Fuß vom Gaspedal und geben Sie den Reifen die Möglichkeit, wieder Haftung aufzubauen.
Nach einer Fahrt über stark mit Laub bedeckte Straßen lohnt sich eine kurze Kontrolle des Fahrzeugs. Entfernen Sie Blätter von Motorhaube, Dach, dem Bereich vor der Windschutzscheibe und aus den Radläufen. Überprüfen Sie die Wasserabläufe der Karosserie und stellen Sie sicher, dass sie nicht verstopft sind. Kann Wasser nicht richtig ablaufen, kann die eingeschlossene Feuchtigkeit langfristig Korrosion begünstigen.
Auch der Kühler und die Lufteinlässe sollten kurz kontrolliert werden. Entfernen Sie angesammelte Blätter und andere Verschmutzungen, die den Luftstrom behindern könnten.
Eine Autowäsche im Herbst dient nicht nur der Optik. Sie ist auch eine Form der vorbeugenden Wartung. Wer organische Rückstände und Straßenschmutz von der Karosserie entfernt, schützt den Lack und kann das Risiko späterer teurer Reparaturen verringern.
Heruntergefallene Blätter sind kein Grund, auf das Autofahren zu verzichten. Sie sind vielmehr ein Anlass, die eigenen Fahrgewohnheiten anzupassen und etwas mehr auf das Fahrzeug zu achten.
Das Herbstwetter kann sich schnell ändern, und die Straßenverhältnisse können von einem Tag auf den anderen völlig anders sein. Wer sich frühzeitig auf diese Veränderungen einstellt, fährt sicherer, kann die Jahreszeit genießen und möglicherweise einen teuren Werkstattbesuch vermeiden.
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